Recht haben und recht bekommen sind bedauerlicherweise manchmal zwei vollig voneinander losgeloste Umstände. Unstrittig ist, dass mitunter der bessere finanzielle Hintergrund über diesen Sachverhalt entscheidet. Der Weg durch die juristischen Instanzen ist lang und teuer.
Als Existenzgrunder oder Grunderin werden Sie sich nicht mit der Frage beschäftigen, wer mich denn und warum verklagen konnte, als friedliebender Mensch überlegen Sie sich morgen auch nicht, wem Sie am Nachmittag juristisch am Zeug flicken konnten. Es sind jedoch nicht immer die Haftpflichtschäden, die eine Klage nach sich ziehen. In diesem Fall besteht zunächst einmal Versicherungsschutz durch die Haftpflichtversicherung, welche in erster Instanz prüft, ob die Forderungen gerechtfertigt sind.
Wozu eine Rechtsschutzversicherung?
Nehmen wir einmal an, Sie haben sich als Onlinetexter selbstständig gemacht und Ihren ersten Artikel mit Fotos ausgestattet auf Ihrem Blog publiziert. Obwohl Sie alle Copyrightbestimmungen der Bilder berücksichtigt haben, kommt der Fotograf auf die Idee, Sie dennoch zu verklagen und Sie erhalten eine Abmahnung. Die geltend gemachten Kosten bewegen sich in der Regel zwischen 200 und 1.000 Euro. Sie können jetzt entweder bezahlen oder sich in einen Rechtsstreit begeben, wenn ihre Haftpflichtversicherung der Ansicht ist, dass die Forderungen unberechtigt sind und eine Regulierung ablehnt.
Niemand mochte gleich mit dem Einstieg in die Existenzgrundung einen Rechtsstreit mit dem Vermieter beginnen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Quadratmeterzahl der angemieteten Gewerbefläche deutlich zu ihren Ungunsten von der vertraglich vereinbarten Anzahl abweicht, besteht Diskussionsbedarf, der unter Umständen auch wieder vor Gericht, zumindest anwaltlich, geklart werden muss.
Die häufigsten Bagatellfälle, für die eine Rechtsschutzversicherung in Anspruch genommen wird, resultieren aus dem Strassenverkehr. Angefochtene Bußgelder aufgrund einer vorgeblichen Geschwindigkeitsübertretung stehen hier an erster Stelle.
Zu guter Letzt seien aus der Bandbreite möglicher Versicherungsfalle noch Streitigkeiten mit den Angestellten oder im Zusammenhang mit der Sozialgerichtsbarkeit genannt.
In unserer Einleitung hatten wir betont, dass eine Rechtsschutzversicherung in die Kategorie sinnvoller, aber nicht zwingend notwendiger Versicherungen gehört. Als Existenzgründer können Sie selbst mit der notwendigen Sorgfalt dafür sorgen, dass Rechtsstreitigkeiten ausbleiben, in die Köpfe anderer können Sie jedoch nicht hineinsehen.
Die Bausteine einer Rechtsschutzversicherung
Eine Rechtsschutzversicherung besteht aus mehreren Leistungsbereichen, die je nach Bedarf miteinander kombiniert werden können. Unter anderem gehören dazu der Privat-Rechtsschutz, Berufs-Rechtsschutz, Verkehrs-Rechtsschutz sowie Wohn-Rechtsschutz.
Sie übernehmen die Ausgaben für Mediation, Gutachten, Gerichte und Anwälte und garantieren rechtliche Sicherheit im Alltagsleben. Die Rechtsschutzversicherung für Selbstständige wird mit unterschiedlichen eigenständigen Modulen angeboten:
- Miet- und Immobilienrechtsschutz
- Rechtsschutz in der Funktion als Arbeitgeber
- Firmenrechtsschutz
- Rechtsschutz für die Firmenfahrzeuge
- Internetrechtsschutz
- Forderungsausfallmanagement
- Bonitatsprufung
Viele Anbieter schließen übrigens die private Rechtsschutzversicherung in die Betriebliche mit ein, sodass zumindest ein gewisses Einsparpotenzial besteht. Durch den Einschluss einer Selbstbeteiligung pro Schadensfall lassen sich die monatlichen Beiträge noch einmal senken. Bei der Anbieterauswahl zeigt sich ein Blick in die Details immer wieder als hilfreich, da die Zusatzleistungen, beispielsweise Mediation oder Erstberatung, ohne dass die Selbstbeteiligung greift, je nach Gesellschaft voneinander abweichen.
Vor dem Hintergrund, dass eine Existenzgrundung und die Zeit danach eine gewisse Anspannung mit sich bringen und sich Existenzgrunder mit allem, nur nicht mit Rechtsstreitigkeiten, befassen möchten, kann der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung durchaus sinnvoll sein.
Der Gedanke, da soll sich mein Anwalt drum kummern, schafft zumindest Freiraume. Sollten Sie in einer Branche arbeiten, in der die Zahlungsmoral ihrer Kunden manchmal Wunsche offen lässt, konnte das Forderungsausfallmanagement in Kombination mit der Bonitatsprüfung eine interessante Deckungserweiterung darstellen. Andernfalls tut es bei offenen Zahlungen ein Inkassobüro unter Umständen aber auch.
Fazit
In der sensiblen Phase der Unternehmensgründung bietet die Rechtsschutzversicherung für Existenzgründerinnen und -gründer eine wertvolle finanzielle und rechtliche Absicherung. Sie bewahrt bei Konflikten mit Kund:innen, Geschäftspartner:innen, Vermieter:innen oder Behörden und trägt die Kosten für Rechtsanwälte, Gerichte und Gutachten, damit sich Gründer:innen auf den Aufbau ihres Unternehmens konzentrieren können.